Licht, Schatten und Form
Wer die Bilder aus dem vorigen Beitrag aufmerksam betrachtet hat, wird festgestellt haben, dass es sich um ein und dasselbe Modell handelt. Trotzdem erscheint das Gesicht im ersten Bild schlanker, spitzer. An der vermeintlich anderen Gesichtsform trägt zwar auch der leicht geöffnete Mund im ersten Bild bei, hauptsächlich jedoch liegt es daran, dass das Gesicht mit Schatten “modelliert” worden ist.
Das zweite, untere Bild ist gleichmässiger ausgeleuchtet (durch das Fülllicht, das daher seinen Namen hat: Es füllt die Bereiche, die sonst im Schatten liegen). Das Hauptlicht kommt von oberhalb des Modells, weniger seitlich als im ersten Bild, so dass unter dem Kinn ein Schatten entsteht. Was zur Folge hat, dass das Kinn nicht mehr spitz erscheint.
Wie man anhand dieses kurzen Beispiels sieht, dient Licht nicht nur der Ausleuchtung, sondern kann auch zum Modellieren verwendet werden. Streiflicht von leicht unten ist zum Beispiel gut dazu geeignet (Trauer) Ränder unter Augen zu zaubern (wenn denn im Modell welche vorhanden sind), die man nicht wahrnehmen wird, wenn das Licht frontal auf das Modell scheint.
Ich hoffe, dass ich mit dem kleinen Exkurs über die letzten drei Beiträge deutlich machen konnte, dass die Ausleuchtung einer Poserszene durchaus mehr Aufmerksamkeit verdient hat, als ein schlichtes Klicken auf ein vorgefertigtes Lichtset.
Wer neben der “Poserei” noch mit der Kamera auf Bilderfang geht, wird dies ohnehin wissen. Und er wird wissen (oder leicht verstehen), dass Licht beim 3D-Rendern den gleichen Stellenwert hat wie in der Fotografie. Allerdings hat man mit dem “künstlichen Licht” eines 3D-Programms Möglichkeiten, von denen ein Fotograf mit einer teuren Studioanlage nur träumen kann. Jedenfalls dann, wenn man Licht und Schatten in 3D richtig “im Griff” hat.
Apropos Studio-Lichtanlage: In meinem Onlineshop gibt es ein interessantes Prop für Poser ab Version 5 zu diesem Thema.
